Zwischen Lift, Leben und Leadership

Monique Inderbitzin & Alexandra Wey, 4 Min. Lesezeit
Zwischen Lift, Leben und Leadership

Die ersten Sonnenstrahlen legen sich über die Walliser Berge, als Jasmin Briggeler an diesem Morgen ihr Büro betritt. Durch das Fenster fällt der Blick auf das imposante Glishorn. Viel Zeit, die Aussicht zu geniessen, hat Jasmin nicht. Als Standort- und Serviceleiterin ist sie im Oberwallis überall gefragt. Da kommt schon mal Hektik auf. «Einzig mein Hund Chili hat hier Zeit zum Schnarchen», schmunzelt Jasmin. Der kleine Sportmops und inoffizieller Standorthund schläft gerade friedlich unter ihrem Pult.

Jasmins Büro ist Drehscheibe, Treffpunkt und Steuerzentrale – aber nicht der einzige Mittelpunkt des Geschehens. Genauso wichtig ist für die Powerfrau der Austausch draussen, bei den Kundinnen und Kunden. «Im Wallis kennt man sich. Mit einem Handschlag erreicht man hier oft mehr als mit einem ganzen E-Mail-Verlauf», schmunzelt sie, schlüpft in den Mantel, greift sich die Aktenmappe und flitzt los.

Wo Details eine Selbstverständlichkeit sind

Seit 2020 trägt Jasmin die Verantwortung für den Standort Brig-Glis und sämtliche Serviceverträge von AS-Anlagen in den Regionen Bern, Basel und Wallis. Sie begleitet seit Jahren jede neu übergebene AS-Anlage. So auch heute: Jasmins Morgentermin führt sie zum Inhaber eines bedeutenden Immobilienunternehmens. Der Besuch gilt jedoch nicht seiner neuen Überbauung, sondern der darin liegenden Privatwohnung. Hier leben seine Frau und er mit den beiden kleinen Kindern.

Die Familie bewohnt im vierstöckigen Mehrfamilienhaus die gesamte linke Haushälfte, baute diese aber zu zwei grosszügigen Stockwerken um. Das Resultat? Hohe, lichtdurchflutete Räume mit einer eindrucksvollen Galerie. Und ein eigener Lift mitten in der Wohnung. Kein Statussymbol, sondern eine praktische Lösung bei dieser Höhe.

Das goldene Lifttableau ist Bedienelement und Designobjekt zugleich – sorgfältig ins Interieur integriert. Bei Jasmins Besuch wird der künftige Servicevertrag besprochen und sie will gleich ein individuelles Anliegen der Besitzerfamilie aufnehmen: Der grüne Stockwerkknopf im Tableau passt nicht zum Einrichtungskonzept. «Den ersetzen wir natürlich », sagt Jasmin, «individuelle Wünsche gehören dazu – das macht unseren Service aus.»

Für sie ist klar: «Die Übergabe eines Lifts ist kein Abschluss, sondern der Beginn einer langjährigen Geschäftsbeziehung. » Wie selbstverständlich sie solche Situationen aufnimmt, hat mit ihrer Erfahrung zu tun. Ihre souveräne, frische und klare Art kommt nicht von ungefähr. Seit über 20 Jahren ist Jasmin in der Welt der Liftanlagen und Serviceverträge zuhause – engagiert und mit sichtbarer Freude an dem, was sie tut.

Der Moment, in dem alles passt

Jasmin ist motiviert, bei AS weitere Verantwortung zu übernehmen. Nicht im Eiltempo, sondern im Rhythmus ihrer heranwachsenden Töchter und im Zusammenspiel mit ihrem Mann.

Den Grundstein legt Jasmin 2009 bei AS als Sachbearbeiterin Service. Eine intensive Phase, fachlich wie organisatorisch. «Durch die Organisation von Familie und Beruf habe ich gelernt, Menschen und Aufgaben gleichzeitig im Blick zu behalten – ein wichtiger Teil guter Führung.»

Es gibt diese Momente, in denen sich ganz unerwartet eine Chance ergibt. 2023 wird die Stelle als Serviceleiterin im Oberwallis frei. Sie bewirbt sich. Und erhält die Stelle. «Manchmal passt einfach alles – Timing, Aufgabe, Ort», sagt sie und lacht.

Als Jasmin die Serviceleitung in Brig übernimmt, ist sie für ihr Team keine Unbekannte. Viele kennen sie aus früheren Funktionen. «Eine von uns – und die Richtige für diese Aufgabe», heisst es unisono. An die ersten Wochen erinnert sich Jasmin noch gut. «Ich wurde vom Team sehr unterstützt. Das Vertrauen und die Loyalität haben mir den Einstieg enorm erleichtert», sagt sie. «Gerade auch in technischen Belangen, die für mich neu waren.»

Führung, die auf Empathie aufbaut

Jasmin führt nicht aus Distanz. Sie arbeitet, indem sie hinschaut, zuhört und versteht. Deshalb will sie jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter einmal einen halben Tag im Einsatz begleiten, um den Alltag vor Ort kennenzulernen. «Leider konnte ich noch nicht bei allen mitgehen, mein Arbeitspensum liess es bisher nicht zu», sagt sie lachend.

Und das ist in Ordnung so. Jasmin mag es, wenn etwas läuft. Wenn es ihr Terminkalender jedoch erlaubt, zieht sie das Übergewand an, schnürt die Sicherheitsschuhe – und geht mit. Dann verlässt Jasmin den Arbeitsalltag, wischt Schächte, hilft tragen, steht im Maschinenraum und erlebt hautnah, was ihr Team täglich leistet. Genau dort entstehen die besten Gespräche. «So höre ich, was meine Mitarbeitenden wirklich beschäftigt. Das ist unbezahlbar. »

Familie, Rhythmus und wirbelnde Majoretten

Neben der energiegeladenen Businessfrau ist Jasmin stolze Mutter von zwei Teenagern. «Wenn sie zuhause sind, dann meist hinter verschlossenen Zimmertüren – Teenager halt, unsichtbar, bis es etwas zu essen gibt», sagt sie und strahlt. Familie und ein grosser Freundeskreis geben ihr Halt und Energie. Mehrmals pro Woche isst sie mit ihren Töchtern bei ihren Eltern oder Schwiegereltern zu Mittag – kleine Inseln im dichten Alltag.

Eine weitere Insel zum Auftanken findet Jasmin bei den Majoretten. Als technische Leiterin und Vizepräsidentin eines 40-köpfigen Showvereins. Hier prägen Rhythmus, Präzision und Timing ihr Wirken – Eigenschaften, die sie auch in ihrer Führungsrolle begleiten. «Das ist mein Ausgleich. Dort tanke ich Energie, die ich wieder ins Team mitnehme. » Und ihre beiden Töchter? Die stehen inzwischen ebenso selbstverständlich auf der Bühne wie früher ihre Mutter.

Ein Team, das zusammen lacht – und zusammenhält

Jasmins Gebiet ist anspruchsvoll. Ihr Team betreut Anlagen in engen Tälern und hochgelegenen Orten, wo der Winter lange sein kann. Brig bildet dabei die Drehscheibe: Service, Montage, Reparatur und Support unter einem Dach. «Kurze Wege und schnelle Entscheidungen – das ist unsere Stärke», sagt Jasmin. Nähe zu den Kundinnen und Kunden ist hier gelebter Alltag.

Besonders sichtbar wird dieser Teamgeist beim «Jokerday», ein Abend, der alle vier Monate stattfindet. Jedes Mal organisiert eine andere Person den Anlass und stellt ihr Hobby vor. So öffnet sich für ein paar Stunden die eigene Welt und das Team rückt näher zusammen.

Ob Pokerabend im Anzug, Pfadi-Schnitzeljagd, Reitstallbesuch, Curling oder Pulled-Pork-Barbecue im Depot: Jeder «Jokerday» ist anders, jeder stärkt die Gemeinschaft. Jasmin schmunzelt bei der Frage nach einem Majoretten-Abend. «Sie meinten lieber nicht – da muss ich mir wohl etwas anderes einfallen lassen», lacht sie laut heraus. Ganz abwegig wäre es nicht: Präzision, Timing und flinke Bewegungen gehören zu ihrem Hobby – und zum Alltag der Serviceund Montagetechniker.

Eine Frau, die anpackt – und Klarheit bringt

Ob Serviceverträge, Reparaturen oder anspruchsvolle Kundengespräche – Jasmins positive Energie sowie ihre offene, kommunikative Art machen sie nahbar. «Kunden müssen verstehen, wofür sie bezahlen. Wenn man das gut erklärt, entsteht Vertrauen », betont sie. Genau darin liegt ihre Stärke: Sie macht Komplexes verständlich, übersetzt Technik in klare Worte und hält ihr Team zusammen. Mit Verstand, Herz und einer Prise Humor.

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