Sanftes Erwachen nach 25 Jahren

In einem Wohnhaus für Menschen mit psychischer Erkrankung wurde der Lift aus guten Gründen stillgelegt. Ebenso nachvollziehbar ist der Plan, ihn über zwei Jahrzehnte später zu modernisieren und wieder in Betrieb zu nehmen. Doch dann kam ein Wasserschaden dazwischen. Plötzlich war nicht nur Fingerspitzengefühl gefragt, sondern auch schnelles Handeln.
Ein herrschaftliches Haus im Bruchquartier mitten in der Stadt Luzern. Erbaut um 1900. Seit 40 Jahren im Besitz des Vereins traversa – Netzwerk für Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Im Wohnhaus «Säli» stehen den Betroffenen sechzehn möblierte Einzelzimmer und mehrere Gemeinschaftsräume zur Verfügung.
Es ist eines von sechs Wohnhäusern des Vereins, in denen Menschen mit einer psychischen Erkrankung in grösstmöglicher Selbstständigkeit und Eigenverantwortung leben. Das vierstöckige Gebäude verfügt zwar über einen Lift. Dieser wurde aber vor rund 25 Jahren bewusst stillgelegt, sagt Hausleiter Daniel Hausammann: «Menschen mit psychischen Erkrankungen sind stark mit ihrer Psyche beschäftigt. Das kann dazu führen, dass sie ihre Fitness vernachlässigen. Wir haben den Lift abgeschaltet, damit die Treppe als kostenloses Fitnessgerät genutzt wird.»
Treppensteigen für die Fitness
So heisst es im Wohnhaus «Säli» seit langer Zeit: Treppensteigen mit Einkäufen, Treppensteigen mit Wäschekorb, Treppensteigen mit Reinigungsmaterial. Denn Waschküche und Hauswirtschaftsraum befinden sich im Keller. Wobei: Das Untergeschoss war nie über den Lift erschlossen. Weshalb, kann sich heute niemand mehr erklären.
Schliesslich wurde die Kabine des stillstehenden Lifts im EG zum Depot für das Reinigungsmaterial, damit das Reinigungspersonal nicht alles ständig in den Keller tragen muss. Irgendwann war auch klar, dass der Lift nach der langen Pause nie mehr fahrtüchtig sein wird. Also liess traversa den Motor ausbauen und nutzte den Raum als Lager.
Selbstständigkeit erhalten
Ein Wohnhaus ohne Lift – für Bewohnende und Personal wurde das zur Normalität. Im letzten Jahr hat traversa jedoch entschieden, dass das Wohnhaus künftig wieder über einen Lift verfügen soll. «Einige Klientinnen und Klienten wohnen seit 30 Jahren hier und mit dem Alter nehmen gesundheitliche Beschwerden zu. Das Personal hilft dann beispielsweise, die Wäsche die Treppe rauf- und runterzutragen. Wenn das Haus wieder einen Lift hat, fördert das die Selbstständigkeit der Bewohnenden », erklärt Daniel Hausammann.
Individualität und das Zurückgewinnen von Eigenverantwortung sind dem Verein wichtige Anliegen. Der Hausleiter ist sich aber auch bewusst: «Für einige Bewohnende bedeutet der Lift eine Erleichterung, bei anderen wird die Bequemlichkeit zunehmen. Wir haben die Vor- und Nachteile des Lifts daher gemeinsam diskutiert. Ein paar der Bewohnenden haben die Absicht geäussert, wenn immer möglich die Treppe zu nutzen – trotz Lift.»
Böse Überraschung
Die Modernisierung des Lifts war fürs Jahr 2026 geplant. Ein Jahr später wollte traversa alle Badezimmer sanieren lassen. Bis dahin sollte der neue Lift in Betrieb sein, einerseits um den Bauleuten die Arbeit zu erleichtern, andererseits um die Treppe für die Bewohnenden freizuhalten und die Personenströme zu entflechten. Denn Bauarbeiten, fremde Menschen und Veränderungen können Menschen mit psychischen Erkrankungen zusätzlich belasten. Das wollte man vermeiden.
Doch Anfang 2025 die unschöne Entdeckung: In den Badezimmern läuft Wasser hinter die Platten und ins Mauerwerk. Die Sanierung der Badezimmer konnte nicht länger hinausgeschoben werden, folglich auch der Ersatz des Lifts nicht.
«Wir waren mit traversa seit November 2024 im Gespräch. Im Februar 2025 kam dann überraschend die dringende Anfrage, wie schnell wir liefern können», erinnert sich Michael Schäli, Verkauf Modernisierung bei AS Aufzüge. «Auf einmal musste es schnell gehen und wir machten Tempo für eine gute Sache.»
Die möglichst schnelle Umsetzung gehörte zu den grössten Herausforderungen des Projekts. Hinzu kam die Aufgabe, das Untergeschoss mit dem Lift zu erschliessen. «Das ist nicht alltäglich. Meistens geht es um eine Aufstockung, wenn mit dem Lift ein zusätzliches oberes Stockwerk erschlossen werden soll. Die Abstockung bedingte eine gute Koordination mit dem Bauunternehmen, das die Schachtgrube erstellte», erklärt Michael Schäli.
Besondere Rücksichtnahme
Eine weitere Herausforderung war, die Arbeiten für die Bewohnenden möglichst erträglich zu gestalten. Das war von Beginn weg das erklärte Ziel von traversa. Daher startete der Monteur unter anderem nicht wie üblich um 7.00 Uhr, sondern erst um 7.30 Uhr und sorgte für eine längere Ruhephase am Mittag.
«Monteur Nico Domaschke hat hervorragende Arbeit geleistet», freut sich Michael Schäli. «Auch seine Kommunikation war vorbildlich. So hat er traversa beispielsweise im Voraus informiert, wann lärmintensive Arbeiten anstehen.»
Dies kann Hausleiter Daniel Hausammann nur bestätigen: «Der Monteur zeigte grosses Verständnis für die Bedürfnisse unserer Klientinnen und Klienten und handelte vorbildlich. Das haben wir sehr geschätzt.»
Lob gibt es auch für Michael Schäli: «Er hat uns kompetent beraten und blieb trotz Hin und Her darauf fokussiert, das bestmögliche Ergebnis für uns zu erzielen.» Daher das positive Fazit von Daniel Hausammann: «Wir waren mit der Zusammenarbeit sehr glücklich.»
Und wie riecht der neue Lift? Meist nach frisch gewaschener Wäsche.
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