Wo Ruhe auf Innovation trifft

Daniel Schriber & Pius Amrein, 3 Min. Lesezeit
Wo Ruhe auf Innovation trifft

Die Strasse führt uns hinaus aus dem Zentrum der Gemeinde Flühli-Sörenberg, hinein in die Stille der Natur. Nach wenigen Kilometern und einigen steilen Kurven taucht das Berghotel Salwideli auf – ruhig gelegen und doch nicht weit entfernt vom touristischen Herzen der Region. Kaum haben wir die Tür zum Hotel geöffnet, empfängt uns ein angenehmer, warmer Duft – Holz. Es ist Esche aus der Region, das Material, das sich wie ein roter Faden durch den gesamten Neubau zieht.

Beim Betreten der Lobby fällt sofort auf: Hier ist nichts beliebig. Von den Möbeln bis zu den Wandschildern wurde jedes Detail sorgfältig durchdacht. Begrüsst werden wir nicht mit einem standardisierten «Willkommen», sondern mit einem herzlichen «Grüessdiwou». Die Wegweiser im Hotel sind alle in Entlebucher Dialekt gehalten – von der Reception führt die Treppe ins «Aabee», die 26 individuell gestalteten Zimmer tragen Namen wie «Widebüsseli», «Ankeblüemli» oder «Sunestrahl». In der grössten Suite, Zimmer 301, wohnt man passenderweise im «Himu».

«Das Haus hat uns gefunden»

Im Restaurant treffen wir die beiden Menschen, die dieses Haus mit Leben füllen: Carolina Rüegg und Luzi Tischhauser. Die 60-Jährige war früher Tourismusdirektorin von Sörenberg Flühli Tourismus, ihr Partner Luzi (77) leitete einst die Bergbahnen in Lenzerheide und war Direktor des Helikopterbetreibers Heliswiss. Eigentlich könnten sie längst den Ruhestand geniessen – stattdessen führen sie mit Leidenschaft das Salwideli. «Das Haus hat uns gefunden – nicht umgekehrt», erzählt Carolina lachend. Die Stiftung Messerli, die das Hotel besitzt und sanieren liess, suchte ein Gastgeberpaar aus der Region. Nachdem Carolina landauf, landab nach geeigneten Pächtern suchte, fiel die Wahl schliesslich auf sie selbst.

Beim Besuch im Salwideli wird schnell klar: Nachhaltigkeit ist hier kein Trend, sondern gelebte Philosophie. Fast alles, was in der Küche serviert wird, stammt aus der Biosphäre Entlebuch: Butter, Milch, Brot, Honig – sogar die Teesorten kommen aus der Region. Die Küche setzt auf das Prinzip «Nose to Tail» beim Fleisch und «Leaf to Root» bei Gemüse. Nichts wird verschwendet, alles wird verarbeitet. «Unser Küchenchef macht wirklich alles selbst – von Fonds bis zum Kuchen», betont Carolina.

«Der Lift ist für uns elementar»

Das Salwideli vereint Tradition mit modernen Annehmlichkeiten. Die ursprünglich 90 Schlafplätze im Massenlager wurden auf 56 reduziert, um den Komfort zu erhöhen. Neben den neuen Hotelzimmern ist auch ein barrierefreier Zugang ein zentrales Element des Umbaus. Ein Lift von AS Aufzüge fügt sich nahtlos ins Holzdesign des Hauses ein und sorgt für uneingeschränkte Erreichbarkeit der rollstuhlgängigen Zimmer. «Der Lift ist für uns elementar», erklärt Carolina. «Ohne ihn wäre unser Konzept der Inklusion nicht umsetzbar.»

Auch wenn es sich technisch gesehen um eine Standardanlage handelt, war der Einbau des Lifts im Salwideli mit besonderen Herausforderungen verbunden. «Wir installieren schliesslich nicht alle Tage eine Anlage in den Bergen», sagt Dieter Biedermann, Verkaufsmitarbeiter bei AS Aufzüge. Die Anlieferung der Liftkomponenten erfolgte mitten im Winter – bei Schnee und Eis eine logistische Herausforderung. «Die Strassenverhältnisse waren anspruchsvoll, und auf einer Bergbaustelle sind Lagerplätze sowieso rar.»

Die Anlage – ein Swisslift Plus mit einer Kapazität für acht Personen – wurde innerhalb von rund vier Wochen vollständig installiert und in Betrieb genommen. Trotz der Bedingungen habe laut Dieter Biedermann alles gut funktioniert – auch dank der modularen Bauweise des Lifts. «Das Modell eignet sich besonders für architektonisch anspruchsvolle Umgebungen.» Im Salwideli wurde etwa mit einer hochwertigen Chromstahl-Auskleidung gearbeitet. «Es wurde darauf geachtet, dass sich die Anlage optimal ins ästhetische Gesamtbild des Holzbaus einfügt», so Dieter Biedermann. Dank des Lifts können heute alle Gäste – unabhängig von ihrer Mobilität – sämtliche Etagen des Hotels komfortabel erreichen.

Die Wellnesszone befindet sich vor der Tür

Wer im Salwideli hingegen nach einem Spa sucht, wird keines finden – und das ist gewollt. «Unser Wellnessbereich liegt draussen», sagt Carolina mit einem Augenzwinkern und deutet auf die umliegenden Wälder und das Hochmoor. Die Gäste kommen wegen der Ruhe, der Natur und der Abgeschiedenheit. Wandern, Skitouren oder einfach den Blick auf die umliegenden Berge geniessen – das ist das wahre Erholungsprogramm.

Die Tage im Salwideli sind lang. Carolina ist meist schon um 8 Uhr morgens da, verlässt das Hotel selten vor 23 Uhr. Doch auch inmitten all der Arbeit nehmen sich die beiden Gastgeber Zeit füreinander – am liebsten bei einem Glas Wein am Abend. «Die Gäste danken es uns», sagt sie. Besonders an den Sonntagmorgen, wenn die Abreisenden ihre Koffer packen, sehe sie die Belohnung für ihre Arbeit: strahlende Gesichter. Und genau diese Momente sind es, die Carolina und Luzi immer wieder neue Energie geben – für die nächsten Gäste, die bald wiederkommen werden.

Innovations-Award für das Bergwelten Salwideli

Noch bevor das Hotel offiziell im Dezember 2023 wiedereröffnet wurde, erhielt es bereits eine prestigeträchtige Auszeichnung. Der Hotel-Innovations-Award von GastroSuisse würdigt herausragende Hotelkonzepte – und das Salwideli überzeugte mit seinem nachhaltigen, regionalen Ansatz. Die siebenköpfige Jury entschied sich für das «Bergwelten Salwideli», weil es Tradition und Moderne auf Weise verbindet. Die Luzerner Ständerätin Andrea Gmür würdigte in ihrer Laudatio besonders die nachhaltige Bauweise mit regionalen Materialien sowie die innovative Nutzung digitaler Prozesse zur Steigerung der Gästeerfahrung.