Da capo im Toggenburg

Text: Martin Rutishauser Fotos: Pius Amrein, 3 Min. Lesezeit
Da capo im Toggenburg

Klang pur

Wer ein Liedchen nach Unterwasser trägt, es diese Serpentinen hinauf singt – und es hier in diesem Resonanzkörper-Herz des Klanghauses erklingen lässt, wird erst einmal abbrechen. Kurz fassungslos sein. Und grad neu zu singen beginnen. Leise vielleicht. Dann lauter. Mit neuer Aufmerksamkeit, neuem Atem, neuen Ohren. Wird sich neu verbunden fühlen mit den Tönen, Klängen, Melodien. Wie muss das erst das Gemüt erhellen, wenn hier ein Chor anhebt. Wie Musik hier klingt an den Events, zum Beispiel bei «Kenia trifft Toggenburg». Klang pur.

Die Sonne hat die letzten etwas störrischen Nebelfetzen aufgelöst, und die Landschaft liegt pur und offen vor den Fenstern des Zentralraums, dieses Resonanzwunders. Eva Maron erzählt, wie sie an diesem Nebelmorgen in ihrem kleinen Büro oben, dem Regiezimmer, plötzlich merkte, wie sich das Licht veränderte, alles heller wurde. Sie habe die Treppe genommen, schnell hinunter in den Zentralraum, sich an diese Fensterfront gestellt. Einmal mehr gestaunt über diese Gegend. Ob sie da vor Freude einen Jodel ausgestossen habe? «Das hätte ich natürlich tun können, aber ich bin nur dagestanden, ein paar Minuten, überw.ltigt.»

Eva Maron ist das, was hier sehr nüchtern als Disponentin bezeichnet wird, ihrer Euphorie über ihre Arbeit jedoch kaum gerecht wird. Sie weiss, was hier läuft, weil sie es ist, die im Team für die Termine die Verantwortung trägt, die Vermietungen orchestriert. Alle Buchungen laufen über sie, die bereits das Kulturzentrum Mels aufgebaut hat und jetzt für den Aufbau des Klanghauses verantwortlich ist, das im Mai 2025 eröffnet wurde.

Saxofon-Workshops finden hier statt, Chorproben, Schlagzeug-Performances, Klavierabende. Und Laienkurse wie «Johle und gradhebe», das ist Alpsteinkultur, Naturtonreihen, Jodeltechnik. Vorkenntnisse brauche es nicht.

Das Klanghaus, eine Holz-Beton-Konstruktion, Wunderwerk der Ästhetik: visuell, atmosphärisch und, natürlich, akustisch. Gebaut auf Initiative von Peter Roth, Klang-Aficionado sondergleichen, Komponist, Klangforscher, Toggenburger, ein Musiker, einzigartig verbunden mit der Natur, ihren Tönen, ihren Klängen.

Einheimische Klänge, einheimischer Lift

Die Technik des Hauses, bei aller Tradition und Naturhaftigkeit, ist auf modernstem Niveau. Per Touchscreen öffnen sich Luken, Fenster, Lüftungsklappen. Dazu passt der Aufzug. «Es ist der SwissLift Plus mit zweiseitigem Zugang», sagt Sven Hächler, Verkauf Neuanlagen AS Ost. «Sehr zuverlässig, langlebig, robust. Und er ist mit sehr feinen Antriebseinheiten ausgestattet, der Fahrkomfort ist toll. Ist er erst einmal eingestellt, dann läuft er und läuft und läuft und läuft.»

Das Besondere an der Liftsituation im Klanghaus ist der Schacht: «Nur in der unteren Etage ist der Liftschacht aus Beton, die oberen zwei sind aus Holz.» Da passe der SwissLift perfekt, er ist riemengehängt, bringt Fahrkomfort auch in dermassen schlanke Schächte, wie sie im Klanghaus sind.

In den oberen Liftecken sind kleine, gerundete Spiegel angebracht, sie erinnern an Rückspiegel: «Ja, tatsächlich, das ist gemäss EN 81-70, also für die Barrierefreiheit», sagt Sven Hächler. «So sehen Personen im Rollstuhl, wie es hinter ihnen ausschaut, wenn sie den Lift wieder rückw.rts verlassen.»

Für Barrierefreiheit ist neben guter Sicht nach hinten auch das Hören wichtig. So gibt es statt eines Gongs eine Sprachansage. Personen mit Sehschwierigkeiten können also hören, auf welcher Etage der Lift soeben gehalten und die Türen geöffnet hat. «Und der Handlauf ist dank gerundeter Enden sicher: Da verhakt sich nichts, verheddert sich nichts.»

Ein einziger Lift – für wirklich alles

Hier oben, im Klanghaus, transportiert der SwissLift Plus alles, was hoch und runter soll, er ist der einzige Lift hier, Personen- und Transportlift in einem. Er befördert die grossen Tische für die Bankette und Events, all das Geschirr, die Gläser, Kelche, Wasser und Wein, später die Gerichte, die die Küche unten für die Gäste oben zubereitet. Und, klar, Alphörner und Kontrabässe, Harfen und Instrumente aller Arten und Gattungen, dazu Personen im Hirtenhemd, im Blaumann, in Anzug, Deuxpièces.

Dass der SwissLift Plus sich dabei nicht nur elegant bewegt, sondern auch optisch einem Galaabend angepasst ist, dafür sorgt der ästhetisch wertige Boden: Marmor. «Der wurde kundenseitig eingebaut», sagt Sven Hächler, «wir haben im Lift dafür extra genügend Höhe gelassen, sodass der Lift stufenfrei bleibt.» «Und», ergänzt Eva Maron, «es ist derselbe Marmor wie in den Garderoben und Toiletten.»

Kurz nach Mittag nahm Eva Maron an einer der Brandmeldeübungen teil. «Alle Klangbegleitenden und alle Personen von der Eventtechnik werden regelmässig geschult, was zu tun ist bei einem Brandalarm.» Und tatsächlich, auch mit der Technik hat alles geklappt. «Und klar, der SwissLift ist ins Null gefahren, zum Fluchtweg», sagt Eva Maron, «und hat sich auf Fluchtwegseite geöffnet. Er hat seinen Auftrag bestens erfüllt.»

Ein Tipp muss sein: All die Räume lassen sich für Anlässe und als Seminarräume buchen. Es gibt sogar ein Sitzungszimmer. Buchen Sie den Naturjodel-Schnupperkurs dazu: eine Stunde, die imposanter ist als die Teambuilding-Events, die man sonst so erlebt. Ausserdem – und das ist so wunderlich wie diese wohltuend erhebende Resonanz des Klanghauses: Man erfährt, was es mit diesem Dreiklang zu tun hat, den es überall hier gibt, seit jeher, in diesem magischen Toggenburg.

Das Klanghaus ist geöffnet auf Anmeldung: www.klangwelt.ch.

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