Das Herz hinter den Kulissen

Manuel Huber & Pius Amrein, 3 Min. Lesezeit
Das Herz hinter den Kulissen

Ein Zaun aus schwarzen Brettern, an den Seiten bis zu sechs Meter hoch, verwittert und löchrig. Auch der Rest des Bühnenbilds des Stücks «Die Legende von Sleepy Hollow» ist dunkel und mystisch. Einen Kontrast dazu bildet ein rundes, oranges Podium, das in «Romeo und Julia» eingesetzt wird. Ein Blickfang von rund sechs Metern Durchmesser, gefertigt aus einzelnen Elementen.

Diese wie auch alle anderen Bühnenbilder im Konzert und Theater St. Gallen entstehen in den eigenen Werkstätten. Schreinerei, Schlosserei und Malerei befinden sich direkt im Haus, verteilt über drei Etagen. Was hier im Verborgenen entsteht, kommt bei Proben und Aufführungen auf der Bühne im zweiten Obergeschoss zum Einsatz.

Die Verbindung zwischen Warenanlieferung, Werkstätten und Bühne sei «lebenswichtig» für den Theaterbetrieb, sagt der technische Leiter Georges Hanimann: «Der grosse Speziallift ist das Herz hinter den Kulissen. Wenn es nicht pumpt, läuft nichts. Ohne diesen Lift bringen wir kein Material auf die Bühne.»

Bei Sanierung gelitten

Das markante Bauwerk wie auch der Bühnenlift feierten 1968 Premiere. Seit 2023 erstrahlt die «Skulptur aus Beton» in neuem Glanz. Bei der Gesamterneuerung wurde beim Lift einzig die Steuerung modernisiert. Weiterer Handlungsbedarf bestand damals nicht.

«Der Bühnenlift wurde bei der Werkstattvergrösserung zehn Jahre zuvor um ein Stockwerk nach unten erweitert und mit einem neuen Zylinder ausgestattet», erinnert sich Georges Hanimann. «Ansonsten erfüllte der Lift seinen Zweck. Wir transportieren keine schweren Lasten, sondern Volumen. » Dazu gehören beispielsweise die erwähnten Seitenwände aus «Sleepy Hollow».

Während der Gesamterneuerung wurde der Lift von den Baufirmen jedoch stark genutzt und mit grossen Lasten – beispielsweise herausgeschnittenen Betonblöcken – beladen. Zudem zeigte sich später, dass der Lift während der Bauzeit teilweise zu einseitig beladen wurde. Als Folge davon verzog sich unter anderem die Kabine.

Bei der umfassenden Modernisierung konnte AS Aufzüge seine Kompetenzen für Spezialanlagen voll ausspielen, insbesondere bei der Kabine.

Kabine mit mehr Stahl

Während der Sommerpause im Konzert und Theater St. Gallen wurde der Lift während sechs Wochen komplett erneuert: Die Türen wurden verstärkt und neue Gegengewichte eingebaut, um den Lift besser zu stabilisieren. Die Steuerung wurde an den neuen Lift angepasst und die Aggregate ersetzt.

Die neue Kabine ist eine Meisterleistung und im Team entstanden, sagt Nino Bosshart, Verkauf Modernisierung bei AS: «Wir hatten hier die Möglichkeit, eine sehr spezielle Kabine von Grund auf zu konstruieren. Dazu haben wir unser komplettes Know-how benötigt – vom Engineering bis hin zur Montage. Wir haben sehr eng zusammengearbeitet, um die richtige Lösung zu finden.»

Die neue Kabine mit viel Stahl wurde wesentlich stabiler und damit auch schwerer. Sie wiegt über 11 Tonnen. Das war nötig, denn die Kabine ist über sechs Meter hoch, sieben Meter lang und zweieinhalb Meter breit. An einer Längsseite und einer Querseite gibt es keine Kabinenwände.

«Weil die Kabine so offen ist, mussten wir sie verstärken. So besteht auch der Boden aus einem massiven Rahmen », erklärt Nino Bosshart. Die Nutzlast liegt bei 2500 kg. Eigentlich wenig für einen Lift mit so grossen Dimensionen. Doch für den Theaterbetrieb reicht es. Kubikmeter sind hier wichtiger als Kilogramm.

Für alle etwas Besonderes

Die Kabine zu verstärken und die grossen Elemente in den Liftschacht zu bringen, war eine Herausforderung. Alles musste genaustens ausgemessen werden. Zudem musste ein Statiker die Schachtwände prüfen, damit neue Rollenträger mit höherer Belastung angebracht werden konnten.

Eine zweite Herausforderung betraf den engen Zeitplan. «Wir hatten acht Monate Zeit, das gesamte Engineering abzuwickeln, das Material zu bestellen, die Montage auszuführen und die Anlage dem Kunden zu übergeben. Eine so grosse und spezielle Kabine in einer solch kurzen Zeit zu entwickeln und einzubauen, war grossartig und etwas ganz Besonderes. »

Nicht nur für Nino Bosshart, sondern für das ganze Team. Denn so spezielle Umbauprojekte sind selten. Umso wichtiger war die bereichsübergreifende Zusammenarbeit. Auch die grosse Erfahrung, die AS bei ähnlichen Umbauten gesammelt hat, trug wesentlich zu diesem erfolgreich umgesetzten Projekt bei.

Enger Zeitplan eingehalten

Während der Theaterbetrieb im Sommer wieder langsam hochgefahren wird, führen die AS-Monteure die letzten Arbeiten aus. Der Lift wird schrittweise in Betrieb genommen. Vor der Abnahme sind immer wieder «Taxifahrten» nötig, um Material zwischen den Werkstätten zu verschieben und alles für die neue Saison vorzubereiten.

«Es war schön zu sehen, dass AS das Projekt sehr ernst genommen hat», freut sich Georges Hanimann vom Konzert und Theater St. Gallen rückblickend. «Die Zusammenarbeit hat sehr gut funktioniert, der enge Zeitplan ging auf.»

Neue Saison – neuer Lift. Eingeweiht von beeindruckenden Bühnenbildern für «Sleepy Hollow» und «Romeo und Julia», gefolgt von «La Bohème», «Einstein» und vielen weiteren Stücken, die das Publikum hier verzaubern. Auch dank einem zuverlässig schlagenden Herzen hinter der Bühne.

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